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Gott ist grün!

"Geh aus mein Herz und Suche Freud" - Gedanken zum Lied von Paul Gerhard

Singen in schwerer Zeit! Den Älteren ist es noch vertraut, und sie staunen auch nicht, wenn ein Lied 15 Strophen hat. Was für ein Lied aus was für einer Zeit! Als der Theologe und als Kirchenlieddichter bekannte Paul Gerhardt (1607—1676) mit 44 Jahren endlich seine erste feste Stelle in Mittenwalde antreten konnte, lag das Land verwüstet, waren Dörfer und Städte vom 30-jährigen Krieg entvölkert. Womit anfangen, wenn wirklich alles danieder liegt? Worauf vertrauen, wenn Menschen einander Unsägliches antun? Hunger und Schrecken waren allgegenwärtig — wozu noch leben? Der Dichterpfarrer Gerhardt setzte auf den Gesang — gegen die Verwahrlosung der Seelen. „Geh aus mein Herz und suche Freud an Deines Gottes Gaben!“ (EG Nr. 503)

Lassen sich leuchtende Blumen, Bäume im Frühjahrskleid und kommende Früchte nicht als Trost und Liebeserklärung Gottes lesen? JA! Es grünt und blüht auch auf Ruinen: Gott ist uns grün! Wobei Menschen die Verwüstungen angerichtet haben und Gott in der Natur sein „Dennoch!“ dagegenstellt.

Das Lied lehrt uns, die Natur zu lesen, in ihr zu lesen. Der Lebensrausch des Frühlings, das Erwachen von Bächen, Blumen und Blüten, der Vogelgesang, alles lässt das Herz mitschwingen. Es wird leichter, alles wird leichter. Die Natur hat ihre innere Ordnung: Vögel bauen Nester, speisen ihre Jungen, die Tiere des Waldes lassen sich wieder sehen. Verantwortung für eigenes und fremdes Leben übernehmen ist wichtig. Wir sind Leben inmitten von Leben, das auch leben will (nach Albert Schweitzer). Pflanzen und Tiere loben mit ihrem Dasein Gott unbewusst, und wir Menschen können es wieder lernen: Es ist die Schöpfungsordnung.

Erst in der 7. Strophe des Liedes kommt zur Natur wieder die Kultur: „der Weizen wächst… darüber jauchzet… das menschliche Gemüte“. Mit dem Brotgetreide siegt der Lebensmut. Die Seele atmet auf:

„Ich selber kann und mag nicht ruh‘n, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen. Ich singe mit, wenn alles singt und lasse was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

So die 8. Strophe; und in dem Lied ist noch viel mehr zu entdecken! Schauen Sie doch wieder einmal rein und lassen Sie die vielen Strophen auf sich wirken — vielleicht bei einem Rundgang durch den Garten oder beim Spaziergang. Gewiss gesellt sich dann auch die Melodie dazu… und bringt sie zum klingen … oder singen.

Freude im Herzen wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Sven Täuber

Letzte Änderung am: 26.05.2021