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„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“

Gedanken zur Jahreslosung aus dem Markusevangelium Kapitel 9 Vers 24

Da war ich zuerst doch sehr erstaunt, beim Lesen noch mehr! Ein besorgter Vater kommt mit seinem schwer epilepsiekranken Kind zu Jesu dem Arzt, klagt sein Leid und seine Sehnsucht und seine Enttäuschung: wenn Du etwas kannst, so erbarme dich und hilf uns! Und er bekommt die wenig einfühlsame Antwort: „Alles ist möglich, dem der da glaubt.“ Vers 24 „Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Glauben und Unglauben sind so nah beieinander. Dem „Vielleicht“ und dem „Aber“ entkommen wir nicht. Glaube und Zweifel sind fast wie Zwillinge, untrennbar, einander bedingend. Und: beides gehört zum Menschsein! Genauer: es gibt den nötigen gesunden Zweifel und es gibt den zerstörerischen Zweifel.

Zum Epiphaniasfest wird die Erscheinung der drei heiligen Könige gefeiert. Sie sind Astronomen (Wir haben seinen Stern gesehen), Wissenschaftler. Ihr methodischer wissenschaftlicher Zweifel bringt sie voran, bringt Erkenntnis, bringt Segen. Ihr Nachfragen führt sie zum Ziel. Die mit methodischem Zweifel arbeitende Wissenschaft ist ein Segen für die Menschheit.

Ich wünsche mir viel mehr gesunden Zweifel angesichts von so viel Oberflächlichkeit in den Medien bis hin zu Face-News und Politikern, die die Wissenschaft verachten.  Gesunder Zweifel schütz vor Vereinfachungen bis hin zum Fundamentalismus! Von Erich Fried stammt der weise Satz: „Zweifle nicht an dem der dir sagt, er hat Angst, aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keinen Zweifel.“ Als zerstörerischen Zweifel bezeichne ich den existentiellen Zweifel am Sinn des Lebens. Wird sein zerstörerisches Übermaß nicht erkannt, nicht als ‚behandlungspflichtig‘ erkannt, kann das schlimmste Folgen haben.

Zurück zum Heilung suchenden Vater und seinem Schrei: so viel enttäuschtes Vertrauen, solche Not, so viel bittere Erfahrung und dennoch gibt er nicht auf. Noch mal zum Arzt, neue Erwartungen; die Liebe zu seinem Kind verbietet ihm aufzugeben. Jesus sieht seine Liebe und darum schenkt er Heilung und Wachstum. Der ‚erprobte‘ Glaube des Vaters und der Zuschauer ist ein wachsender Glaube. Unser Glaube wächst auch an Enttäuschung, Zweifel und Sehnsucht. Der Glaube vertraut dem ‚Vielleicht‘ trotz des ‚Aber‘. Dies hat auch Jesus selbst durchlitten, dies erfährt auch der zweifelnde Jünger Thomas. Glaube und Zweifel und Wachstum werden uns und jeden suchenden Menschen im Neuen Jahr begleiten.

Ihr Pfarrer Sven Täuber

Losung vom 24. Januar 2020

Alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt, und die stolzen Männer müssen sich beugen; der HERR aber wird allein hoch sein an jenem Tage.
Jesaja 2,11

Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten.
Galater 6,7

[© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine]
[Weitere Informationen finden Sie hier]

Monatsspruch Januar

Gott ist treu.
1.Kor 1,9 (L)

Letzte Änderung am: 23.01.2020